Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.


Rechenschieber & Co.

Womit haben die Leute wohl gerechnet, bevor es Computer gab?

Oh, es ist alles schon mal dagewesen, und es hat keine Batterien gebraucht. Ein handgroßes, viereckiges, flaches Gerät, mit dem man addieren und subtrahieren konnte? Addiator. Eine Vorrichtung, die einem mit ein paar Handbewegungen zeigte, wie viele Jahre man bei fünf Prozent Zins sparen musste, um sein Kapital zu verdoppeln (Eine Simpelfunktion, die den Entwicklern der typischen "kaufmännischen Rechner" bis heute nicht in den Sinn gekommen ist)? Rechenschieber mit doppelt logarithmischen Skalen. Der "Volks"-Rechner für jeden Ladentisch zum Ausmultiplizieren und Rechnung aufaddieren, einfach genug, um in jedem Entwicklungsland aus lokalen Ressourcen gefertigt zu werden? Abakus. Addieren, subtrahieren, Ergebnis auf handelsüblicher Papierrolle ausdrucken? Kurbelrechenmaschine in höchster Entwicklungsstufe von Odhner. Und warum sich mit Quicken,  Lexware & Co. abplagen, wenn man Journal und Kontoblätter spaltengenau, je nach Kunden-, Lieferanten- und Sachkonto, mittels einer Buchungsplatte beschriften kann...

Linksammlung


Der Addiator

Addiator Werbeaufkleber
 Ein Blechgehäuse mit eingelegten, bedruckten Zahlenstreifen, oben ein Ausschnitt für die Anzeige des Ergebnisses, unten eine sinnvolle Führung für den Betätigungsstift, um den Übertrag in die nächsthöhere Zehnerpotenz zu erzwingen, fertig. Natürlich verlor man den Stift alsbald nach dem Kauf, daher war die Größe haargenau identisch mit der Spitze eines Kugelschreibers. Ganze Generationen haben ihr Haushaltsbuch oder gar ihre Buchführung mit diesem Gerät bewerkstelligt.



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Produx

Nach dem gleichen Prinzip gab's noch viele andere, handliche Addiermaschinen. Hier mein Produx: Eleganz in Kunstleder, für Subtraktion und Addition eingerichtet. Zum Download der Bedienungsanleitung (2-seitig, PDF 125 KB) hier klicken (linke Maustaste).

Produx Addiermaschine



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Rechenschieber

 

Rechenschieber

Nichts irritiert die Yuppies in der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft mehr, als wenn ihr Sitznachbar ein komisches Lineal aus der Aktentasche zieht und damit gemächlich die kompliziertesten Kennzahlen ausrechnet. Mit etwas vielbeneidetem Geheimwissen ("Potenzen der Form a hoch n erhält man, indem C-1 über den Basiswert a der entsprechenden LL-Skala gebracht und der Läufer dann auf C-n verschoben wird. Auf LL kann man dann a hoch n ablesen. Z.B. 3,75 hoch 2.96 ist gleich 50; stelle C-1 über LL3 3.75 und lies bei C-2.96 auf LL3 den Wert 50 ab", aus der Anleitung zu einem Aristo-Rechenschieber) und einem guten Richtungssinn, auf welcher Skala man bei Überschreiten des linken oder rechten Endes weiterlesen muss, liest der Geübte Ergebnisse ab, die der mathematisch nicht so Bewanderte nicht einmal auf seinem Handheld herausfindet.
Mancher kennt vielleicht die Parkscheiben, mit denen man die getankte Menge den gefahrenen Kilometern gegenüberstellen und den Verbrauch je 100 km errechnen kann. Dies ist nichts anderes als ein Rechenschieber in der Sonderform Rechenscheibe.

Buch: "Rechenschieber - eine Dokumentation" 110 S. , 55 Abb. DM 48.--, oder aber in erweiterter Ausführung "SLIDE RULES - A Journey through three centuries", 130 S. 55 Abb.,, mit Quellenhinweisen, Anmerkungen zu Personen der Rechenschieber-Geschichte, Index usw. (im Astragal-Verlag, Mendham ,NJ,USA) DM 58.-- , beide zu erfragen bei  D.v.Jezierski, Bahnhofstr.3 , D-90547 Stein.
Die deutsche Version ist herausgegeben im Selbstverlag durch Herrn v. Jezierski, der vierzig Jahre lang Produktmanager bei Faber-Castell, Nürnberg für Rechenschieber war und, obwohl international anerkannter Experte für diese mechanischen Rechengeräte, doch , wie ich erlebt habe, heroisch  und letztlich erfolgreich auch mit den Tücken des Computers kämpft, somit unter vonjezierski.d@debitel.net zu erreichen und auskunftsbereit ist.

Sammlertreffen: 14.-16.9.2001 in München

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Abakus

 

Abakus

Ein Holzrahmen mit Stäben, auf die Kugeln geschoben sind, meist eine Unterteilung, um Einerkugeln auf der unteren Hälfte des Stabes, Fünferkugeln auf der oberen unterzubringen, damit die Handspanne für schnelles Rechnen nicht überschritten wird wie bei zehn Kugeln, und fertig ist die Rechenhilfe. Alles andere macht der menschliche Geist.

Rechenaufgabe 234/6:

"Stelle den Divisor 6 ganz links und den Dividend 234 ganz rechts auf der Maschine ein.
Versuche die erste Zahl des Dividenden (2) durch den Divisor 6 zu teilen. Geht nicht!
Versuche die ersten beiden Ziffern des Dividenden 23 durch den Divisor 6 zu  teilen, ist gleich 3.
Stelle diese 3 links im Mittelfeld (mit einer Leersäule Abstand vom Divisor) ein.
Multipliziere diese 3 mit dem Divisor 6 und ziehe das Ergebnis 18 von den 23 ab. Es bleiben rechts nun 54 übrig.
Teile diese restlichen 54 durch den Divisor 6. Das Ergebnis 9 stelle in der Mitte ein, und zwar auf der Säule rechts neben der 3.
Multipliziere diese 9 mit dem Divisor 6. Das Ergebnis 6x9=54 ziehe von dem Rest des Dividenden 54 ab. Es bleibt kein Rest. Das Endergebnis 39 ist in der Mitte abzulesen".

Alles klar? Der Japaner pflegt dem Vernehmen nach die Ergebnisse eines elektronischen Taschenrechners mal eben mit dem Abakus nachzurechnen, damit er sicher sein kann, dass es stimmt...

Link:

The Abacus - The Art of Calculating with Beads

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Walther WSR 160 Kurbelrechenmaschine 4-Spezies

Walther WSR160 Kurbelrechenmaschine

Rechenbeispiele: Eine Kurbelumdrehung = unten 1x addieren, was man oben eingestellt hat.
Drei Kurbelumdrehungen = 3x addieren. Die Kurbelumdrehungen werden links unten mitgezählt, das Resultat rechts unten angezeigt.
1 Zehnerstelle nach links verstellen, 1 Kurbelumdrehung = insgesamt mit 13 multiplizieren.
Auch für Divison und Wurzelziehen ist die Maschine eingerichtet. Ihre Innereien sind aus unverwüstlichem Messing-Guss und funktionierten auch nach 50 Jahren auf Anhieb.

Eine fantastische Anleitung zu dieser Maschine findet man unter http://www.rechenkasten.de/Walther/Documents/Manuals/WSR_160/index.html und auf der Website gibt es noch viel mehr Informationen über Walther und andere Rechenmaschinen.

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Odhner-Kurbelrechenmaschine

Odhner Rechenmaschine


Voll mechanisch und trotzdem druckend - nicht das Flair der Brunsviga Kurbelmaschinen aus Messing, aber doch schon ein gewohntes Design.



 



Odhner Detail

Solide Mechanik verleiht der Maschine eine unbegrenzte Lebensdauer ... und ein Gewicht von fast 5 kg.



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Buchungsplatte

Buchungsplatte

Erst mit der Verbreitung des "Blaupapiers" zum Durchschreiben von Hand wurde es möglich, mittels einer sinnreichen Klemmvorrichtung, getrennt für das  Journal und die Kontenblätter, aus der reinen Übertragungsbuchführung die zuverlässigere Durchschreibebuchführung zu entwickeln. Hier eine Buchungsplatte von Leoma, Augsburg, mit einem eingelegten Kontenblatt für Sachbuchungen (Spalte ganz rechts).


Und dann war da noch A.E. van Vogt (1912-2000), "Mr. Science Fiction" persönlich, der 1952 in "Das Reich der 50 Sonnen (The Mixed Men)" seine damalige Version eines Taschenrechners beschrieb: 

"Er setzte sich an sein Pult und zog sein Berufswerkzeug aus der Tasche: einen Rechenschieber mit einem daran befestigten Radiogerät, das ihn mit dem nächsten Elektronengehirn - in diesem Falle dem des Schiffes - verband." (Anmerkung: von bluetooth würde noch 50 Jahre lang niemand reden...).


Lesetipp: Spiegel-Artikel in "Einestages" vom 8. Januar 2009

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