Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.

Vom Skeptiker zum Fan in 24 Stunden

Alles begann mit dem Stoßseufzer einer Freundin, Leseratte und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel wie ich, in einem sozialem Netzwerk, vor einer längeren Fahrt mit Bus, Auto, S-Bahn: "Ich brauch' 'nen Kindle". Das Thema musste ich mir genauer ansehen.

Bücher

Ebooks kann man auf sehr vielen Geräten lesen: Notebooks, Smartphones, Netbooks, Tablets und E-Readern, sowie natürlich auf dem heimischen PC. Wie immer ist das Gerät vielleicht technisch reizvoll, aber letztlich kommt es darauf an, womit man es "füttern" kann. Hier ist eine gute Auflistung von Links zu kostenlosen Ebooks. Die neuesten Hits gibt's natürlich bei den Verlagen wie Libri, Thalia, Weltbild, Bücher.de und so weiter zu kaufen.

Formate am Markt:

Es gibt Ebooks und Lesegeräte von Amazon (Kindle) und es gibt die anderen. Wer ein Lesegerät oder ein Leseprogramm ("App") von Amazon benutzt, kann keine fremden Ebooks damit lesen. Wer kein Account bei Amazon mehr hat (ob selbst gekündigt oder rausgeschmissen worden), kann nirgendwoanders mehr Ebooks für seinen kostbaren Kindle Reader kaufen. Es ist vorgekommen, daß Amazon den Zugang zu bezahlten Ebooks gesperrt oder gar die auf dem Kindle gespeicherten Buchdateien gelöscht hat, wenn die Eigner der Kindle Reader das nächstemal online gegangen sind. Amazon hatte sich ganz legal vorbehalten, das Kundenkonto und damit auch das Kindle-Account ohne Rückzahlung der Kaufpreise für die erworbenen Ebooks von seiner Seite aus zu löschen. Der neueste mir bekannte Bericht über das Löschen bereits bezahlter Ebooks auf dem Kindle stammt vom 17. August 2013 und ist hier nachzulesen.

Nichts spricht aber dagegen, sich auf vorhandenen Geräten (bei mir: Android-Smartphone, Android-E-Reader, Windows-PC) die von Amazon jeweils dafür angebotene Kindle-Software zu installieren und auf diese Weise insbesondere die zahlreichen kostenlosen Angebote wahrzunehmen. Man kann sie durch eine Sicherheitskopie jedem denkbaren Löschzugriff entziehen und, soweit es sich nicht um DRM-geschützte Bücher im .azw-Format handelt, sondern um das ungeschützte Amazon .mobi-Format, auch mit einer Software wie Calibre in .epub umwandeln.
DRM-geschützte Ebooks von Amazon im azw-Format zu ent-schützen, ist als Umgehung eines Kopierschutzes vermutlich in diversen Staaten illegal und ein ziemliches Gefummel (das Kindle-Leseprogramm aufrufen, warten, bis es "nach Hause telefoniert" hat und die neuesten erworbenen Bücher anzeigt, diese dann anklicken zum Runterladen, die runtergeladenen Amazon-Dateien mit Calibre einlesen, das hierzu ein inoffizielles Plugin bekommen muss, in das Nicht-Amazon-Format Epub umwandeln, dieses Format abspeichern lassen und dann kann man die umgewandelten Dateien per USB auf seinen nicht-androidfähigen E-Reader übertragen und dort lesen. Immerhin, es geht, wenn man das Kindle-Leseprogramm von Amazon hat, dieses angemeldet hat und mit diesem Leseprogramm auf diesem PC Bücher heruntergeladen hat, oder alternativ, wenn man legal die Seriennummer eines Kindle E-Ink Readers besitzt.

Da die meisten Ebook-Reader unter Android laufen, sodass man das Kindle Leseprogramm installieren und die Kindle-Bücher ohne Tricks lesen kann, ist das eigentlich nur für Ereader mit einer eigenen Software wie den Kobo mini interessant.


Es gibt aber ja das vorherrschende Format aller anderen Buchhandlungen und Anbieter kostenloser E-Books usw.: Epub.

Erklärung, Technisch: 

Wir sind gewohnt, am PC entweder Webseiten zu lesen (HTML) oder PDF-Dokumente.
PDF-Dokumente: haben eine feste Größe und Einteilung. Man kann z.B. auf dem PC ein Blatt DIN A4 mit nicht änderbaren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zum Ausdruck erstellen. Nicht gerade bequem, um auf Computer-, E-Reader- oder gar Smartphone-Bildschirmen gelesen zu werden. Viele Bücher und Zeitschriften werden als PDF angeboten, aber solche PDF-Dateien wie z.B. Gebrauchsanleitungen, die nicht für E-Reader gedacht waren, sind entweder zu stark verkleinert, um lesbar zu sein, oder nur in Ausschnitten auf dem Bildschirm zu sehen.
Webseiten (HTML): HTML wurde im Gegensatz dazu geschaffen, um auf jedem Bildschirm, ja sogar auf jedem Ausgabegerät (z.B. Vorleser) angezeigt werden zu können. Bei einer anderen Bildschirm- oder Zeichengröße werden beispielsweise die Zeilen neu umgebrochen - gerade das Richtige für E-Reader. Epub-Bücher sind gezipte (komprimierte) HTML-Dateien, wie man durch Umbenennen und Entpacken leicht feststellen kann.

Kopierschutz:

Viele Websites wie Gutenberg.org stellen kostenlos Klassiker und andere gemeinfreie Texte zur Verfügung. Aber niemand würde für uns Leser aktuell Bücher schreiben, herausgeben und verkaufen, wenn er kein Geld damit verdienen kann. Darüber hinaus können Stadtbüchereien auch Ebooks verleihen (www.onleihe.de), die sich nach zwei Wochen Entleihzeit von selbst löschen.
Hierzu braucht man spezielle Kopierschutz-Mechanismen. Man nennt sie DRM, "Digital Rights Management". Ohne DRM gäbe es keine Ebooks zu kaufen. Adobe-DRM ist das System der Verlage und Leihbüchereien. So, wie sich der Kindle-Kunde, abgesehen von den kostenlosen Kindle-Büchern (Format ".mobi") bei Amazon registrieren muss, führt für den Käufer anderer Fabrikate kein Weg daran vorbei, ein Account bei Adobe anzulegen und sich in einem zweiten Schritt von jedem seiner Geräte aus dort einmalig anzumelden, auf denen er DRM-geschützte Bücher lesen will.
Praktisch alle Ebook-Reader haben Internetzugang über WiFi (WLAN). Ihre Leseprogramme wie Bluefire oder Aldiko, Version 2 bieten im Einstellungsmenü die Möglichkeit, den Ebook-Reader online bei Adobe für DRM-geschützte EBooks freischalten zulassen. Wer noch ein Lesegerät ohne WLAN hat, muss seinen Reader über USB mit seinem PC verbinden und auf dem PC die Adobe® Digital Editions Software benutzen. Die meisten Ebooks ohne WLAN werden von der Adobe Software erkannt (gibt's nur für PC und Mac) und können durch diese "Nabelschnur" freigeschaltet werden.

Anmerkung: Wer das nicht will, muss bei den ungeschützten Ebooks bleiben (manche Anbieter haben einen "soften" Schutz über sog. Wasserzeichen, anhand derer sie den ursprünglichen Käufer von Raubkopien ermitteln können) und kann auch keine Leih-Ebooks lesen. Die allenthalben erwähnten Methoden, DRM aus den Buchdateien irgendwie herauszulöschen und diese dann überall einlesen zu können, sind eine größere Zumutung, als mit den DRM konform zu gehen. Sie sind oft veraltet, beziehen sich ohne Erläuterung auf freie, nicht auf Kauf-Ebooks und wurden von selbsternannten Experten von Jahr zu Jahr ungeprüft voneinander abgeschrieben (speziell bei Hackprogrammen für Kindle), umständlich (auf PC umzuwandeln, teils über manuell aufzurufende Phyton-Skripte), unsicher (Leseprogramme und Hack-Plugins sind aus allen möglichen unbekannten Quellen downzuloaden) und man macht sich zivil- und strafrechtlich angreifbar.

Mobile E-Reader:

Ältere oder sehr billige E-Reader sind Abkömmlinge herkömmlicher tragbarer Computer und haben typischerweise einen Farbbildschirm von 7 oder mehr Zoll und Strom für nur ein paar Stunden. Als Beispiel sei der früher von Weltbild eifrig verkaufte Trekstor Ebook Reader 3 genannt, der nur noch gebraucht mit Händlergewährleistung um 20-30 Euro erhältlich ist. Er verfügt nicht einmal über WLan. Seltener erhältlich, aber mit WLan, ist der Archos 7oB eReader. Ich habe einen solchen und schätze ihn für zuhause wegen seines selbstleuchtenden Bildschirms - sehr kommod, um im Bett zu lesen. Ein derartiger Reader gibt auch einen guten mobilen Bildbetrachter und, mit Abstrichen, einen Videospieler ab.

In der Internetszene war der Archos 7oB allerdings für seine häufigen Abstürze bekannt. Er hatte darüberhinaus ein eingeschränktes Betriebssystem, das zwar auf Android basierte, aber auf den üblichen App-Store von Google nicht zugreifen konnte und dadurch konnte u.a. keine App zum Lesen von Kindle-Büchern installiert werden. So richtig brauchbar wurde er Archos 7oB erst, als ich ihn gemäß Anleitungen aus dem Internet mit dem Android-Betriebssystem des technisch baugleichen BQ Voltaire versah: er hängt sich seitdem nicht mehr nach einer halben bis ganzen Stunde Lesens auf, wie er es vorher reproduzierbar tat, ich konnte eine App zum Lesen diverser kostenloser Kindle-Bücher installieren und anscheinend ist die virtuelle Tastatur präziser geworden.

Der Archos 7ob (7 Zoll) hatte die Größe und das Gewicht eines Kingsize-Taschenbuches von 450 Seiten. Sein Display dagegen ist etwas kleiner als eine normale Taschenbuchseite.
Das Display habe ich mir auf die geringste Helligkeitsstufe gestellt. Damit ist das Lesen auch recht angenehm für die Augen.



Aktuelle E-Reader sind sehr flache und kleine Spezialisten mit einem Display von 5 bis 7 Zoll, das auf sogenannter E-Ink beruht. Hier werden beim Aufruf einer zu lesenden Seite kleine Farbpartikel durch Strom entweder auf die weiße oder die schwarze Seite gedreht und der kurze Vorgang ist im Wesentlichen der einzige Stromverbrauch; der winzige Akku hält typischerweise 2000 bis 8000 Blättervorgänge durch (man erinnere sich, pro Buchseite muss man typischerweise einmal runterblättern, 2000 Blättervorgänge wären bei diesem Beispiel dann 1000 Buchseiten). Diese Bildschirme können allerdings nur Schwarzweiss und benötigen, wie ein Buch aus Papier, genügend Licht oder eine Leselampe.
Neuerdings setzen sich die teureren (und dann natürlich auch mehr Batterieleistung brauchenden) Modelle mit E-Ink und eingebauter Hintergrundbeleuchtung durch.

Abbildung in Originalgröße: der Kobo Mini (5 Zoll) hat die Breite eines Reclam-Bändchens und wiegt nur 134 Gramm.

Seine winzigen Abmessungen erschweren aber nicht das Lesen. Zeilenlänge und Schriftgröße entsprechen dem Reclam-Bändchen. Für 1 Seite im papiernen Buch muss man im Ebook einmal mehr in der Mitte nach unten blättern. Das Foto gibt es nicht ganz wieder, aber der Kontrast und die Schärfe des Textes auf dem E-Reader übertreffen das vergilbte Buch.


Nachdem Amazon im Sommer 2013 seinen billigsten Kindle auf 49 Euro herabgesetzt hatte, tauchten im Onlinehandel, z.B. bei Ebay von diversen Saturn-Filialen, E-Reader des weltweiten Amazon-Herausforderers Kobo, ausgestattet u.a. mit WiFi, für 39 (5 Zoll) bzw. 44 (6 Zoll) Euro auf. Bücher kann man theoretisch bei Kobo, analog Amazon, sogar direkt über den E-Reader kaufen, in der Praxis scheitert das allerdings an der auf der Kauf-Seite geforderten Kreditkarte und als ich nachfragte, stellte sich die im Impressum von www.kobobooks.de angegebene E-Mail-Adresse als nicht existent heraus. Macht nichts, die deutschen Verlage haben längst genug Auswahl.

Empfehlung: nachdem ich mit einem 7-Zoll-Tablet von geringer Akku-Kapazität für zuhause angefangen hatte, habe ich mir als Ergänzung den winzigen 5-Zoll-Kobo zugelegt. Ein Sechs-Zoll-E-Reader wie der Kobo Touch wäre als Einzelgerät gerade richtig und entspricht einem normalen Taschenbuch. Wer mehr Geld ausgeben will, wählt einen E-Reader mit Hintergrundbeleuchtung.
Geräte mit WiFi (WLan), wie sie heute allgemein üblich sind, bieten auch die Möglichkeit, per Browser im Internet zu surfen, wenn man in Reichweite (s)eines WLan-Routers ist (sogar Smartphones lassen sich heutzutage als WLan-Sender einrichten). Aber ganz ehrlich, mit Touchscreen Nachrichten oder auch nur URLs einzutippen und dann auf eine Reaktion der lahmen Prozessoren in der hier untersuchten Preisklasse zu warten, ist eine Strafe. Dieses Feature ist eher als Ergebnis der Bemühungen der Buchverlage anzusehen, das Mobilgerät auf Kosten des Besitzers als Verkaufskiosk für sie auszustatten. Vielleicht kann man die Browser- und übrigens auch E-Mail-Fähigkeiten seines Tablets oder E-Readers mal gebrauchen, um bei einem Defekt seines PC die letzten Nachrichten und Mails überfliegen und kurz seinen Freunden Bescheid geben zu können, dass man derzeit vorwiegend offline ist.

Wer ohne E-Reader unterwegs ist, für den bietet es sich an, Ebooks auf seinem Smartphone zu lesen. Hat man nicht die Augen eines Falken, wird man natürlich im Querformat lesen und dafür öfter nach unten blättern müssen - in dem abgebildeten Beispiel viermal pro Buchseite.


Auch auf dem Smartphone, hier mit der Lese-App der Firma Kobo, ist die Schrift eines E-Books leicht zu lesen. Geblättert wird, wie bei allen E-Readern, mit einem leichten Fingertupfer an den Seitenrand.

Mein persönliches Fazit:

Bestseller habe ich auch in Papier nie gekauft, sie waren mir zu teuer und meistens nicht interessant. Gute E-Reader gibt's ab 40...50 Euro, dafür kosten am heutigen Tage dank Preisbindung die Bestseller aus der Spiegel-Liste als Ebook überall z.B. 19,99 Euro für Dan Brownes "Inferno", 18,99 Euro für John Grishams "Das Komplott", Ken Follet "Winter der Welt" 17,99 Euro und so weiter. Dummerweise kann man bei Ebooks nicht warten, bis die Bestseller billiger als Paperbook herauskommen oder man sie in den Buchläden als "preisreduziertes Mängelexemplar" billig einkaufen kann.

Ab und zu kaufe ich mal ein benötigtes Fachbuch, da ist mir der Preis dann auch egal. Das könnte in Zukunft gut ein praktisches E-Buch sein. Darüberhinaus habe ich mir bereits eine Anzahl Ebooks heruntergeladen. Man kann sie nicht auf dem Flohmarkt, drei zerlesene Romane für 1 Euro, oder bei Amazon für 1 Cent plus 3 Euro Versandpauschale kaufen, sondern dieser Markt hat seine eigenen Schnäppchen. "Der abenteuerliche Simplicissimus" von Grimmelshausen, 600+ Seiten? Ich wollte ihn schon lange mal wiederlesen und er braucht nur einen winzigen Anteil des Speicherplatzes. Karl May? Ein Band vom Flohmarkt liegt hier schon jahrelang ungelesen herum, setzt Staub an und verbraucht Platz. Jetzt habe ich dreie, die ich mir unter dem Gesamtwerk ausgesucht habe, als Ebook in Reserve. Einer meiner Lieblings-SF-Autoren, Poul Anderson? Von ihm gibt es eine Anzahl gemeinfreier Stories kostenlos, die ich noch nie gekannt hatte. Fremdsprachliche Bücher zum Üben? Klar doch, sie kosten nicht, wie im hiesigen Buchhandel, noch mehr als deutsche, sondern man kann kostenlose herunterladen und die Ebook-Reader bringen teils gleich Wörterbücher vorgeladen mit. Einfach Lesestoff für Bus und Bahn oder etwas zum Einschlafen? Ich brauche nicht mehr mangels Flohmarkt um die 1.95-Euro-Wühltische im Supemarkt herumzuschleichen, ältere Literatur sowie Werke von Jung-Autoren gibt's kostenlos oder wohlfeil in jeder Kategorie reichlich zum Aussuchen.

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