Hannes Birnbacher, Windhagen/Ww.

Verbrauchskosten bei meinem Color Laserjet HP 2550L

Mein Drucker hat beim Kauf im Januar 2006 sensationell billige 289 Euro gekostet, und es ist ein sehr großes, präzises und kompliziertes Gerät mit einer Revolverhalterung für die vier Tonerpatronen. Papierstau und Fehleinzüge gibt es einfach nicht. Er spuckt bei Schwarzweißdrucken alle drei Sekunde ein Blatt aus. An Anschlüssen hat er USB und Centronics. Der Hauptspeicher ist mit 64 MB (erweiterbar auf 192) anständig bestückt. Der Drucker hat keinen GDI-Anschluß als reine Peripherie zu Windows, sondern eine eigene Elektronik mit den Druckersprachen Postscript und PCL. Das Auswechseln der Innereien ist ein Klacks, da kann man kaum was falsch machen.

Es ist aber wie mit den Autos: wenn man sie aus den Ersatzteilen zu Ersatzteilpreisen zusammenbaut, sind sie Hunderttausende wert. D.h. die Trommel- und Transfereinheit kostet als Ersatz nach 5.000 bis 20.000 Ausdrucken 140,-- Euro, ein Satz Toner um 360,-- Euro.
Die Freude über den guten Deal vor allem mit den Tonerpatronen wurde etwas getrübt, als ich feststellte, daß HP die Neugeräte nur mit halb befüllten Tonerpatronen liefert, für 2000 statt 4000 Farbdrucke. Das nächste Stirnrunzeln sieht man bei HP-Käufern, wenn sie feststellen, daß die Patronen abgeschaltet werden, auch wenn sie ersichtlich noch nicht leer sind.

Vor ein paar Tagen passierte das, was nicht passieren sollte: ich wollte termingebunden 500 Seiten Farbdruck produzieren, bei einem Satz fast neuer Tonerkassetten im Farbdrucker. Die Trommel soll bei diesem Modell bis zu 20.000 Seiten (schwarzweiß) bzw. 5.000 Seiten (farbig) halten. 
Der Prospektdruck ging voll in die Hose. Es passierte genau das, was ich nicht wollte: nach genau 222 Drucken verabschiedete sich die Trommel, obwohl der Drucker bisher nur den ersten Satz Patronen (2000 Farbdrucke) verarbeitet hatte.

Der nächste Sonntagvormittag hat dann einen harten Kampf mit meinem Laserjet und interessante Erkenntnisse über HP-Drucker gebracht, so z.B., daß der Drucker die Trommel unabhängig vom sichtbaren Verschleiß sperrt, entweder nach 20.000 SW- oder nach 5.000 Farbdrucken - wobei ein einziges Pixel aus einer der Farbtoner-Kassetten den Zähler um einen Farbdruck weiterspringen lässt.

Anleitungen zum Rücksetzen des Zählers für die Tonerpatronen hatte ich schon vor langem gefunden, kurz zusammengefasst:
Einschalten, Standbymodus abwarten, große Taste drücken und halten, Drucker an der Seite aus- und schnell wieder einschalten.
Große Taste erst loslassen, wenn alle LED wieder ausgegangen sind (das kann 30 Sekunden und mehr dauern).
Evtl. fangen jetzt die LEDs nochmal an zu blinken. Abwarten, bis sie ausgehen, evtl. die rote Taste ein paarmal drücken.
Ich habe damit nach der (angeblichen) 80%-Warnung noch jahrelang damit ohne Qualitätsverlust weiterdrucken können (ich hatte mir eine Testseite unmittelbar nach dem Eintreffen des Druckers herauslaufen lassen und aufgehoben), obwohl diese Anleitung für den LJ1500/2500 gedacht war. Sie setzt beim LJ2550 aber nicht den Zähler für die Trommel/Transfereinheit zurück.

Diese ganzen Anleitungen haben aber die Nutzer nur durch Probieren herausgefunden und sie enthalten wohl unnötige Schritte, während andere Informationen fehlen.
Angeblich können Patronen, die weniger als zehn Prozent Inhalt enthalten, nicht mehr zurückgesetzt werden, weil sie vom Gerät endgültig als unbrauchbar gekennzeichnet werden.

Die Trommel stellt sich bei 20.000 Schwarzweiß- oder 5000 Farbdrucken ab oder jeder Kombination dazwischen. Und laut HP-Service-Seite (http://h20000.www2.hp.com/bizsupport/TechSupport/Document.jsp?lang=en&cc=us&taskId=125&prodSeriesId=388394&prodTypeId=18972&objectID=c00028822)  zählt ein einziges Pixel (von jeder Farbe extra...) als Farbseite. Also 4000 Seiten mit einem blauen Namen obendran zählen schon als 80 Prozent verbrauchte Trommel.
Mehr Hintergrundinformationen gibt es z.B. auf http://farbtoner.com/chip-hp.htm.

Eine weitverbreitete Anleitung (die aber eine Menge Hintergrundinformationen mitliefert) besagt, tu dies, tu jenes und drücke dann sofort "frenetisch" wiederholt auf den roten Knopf, das sei sehr zeitkritisch. Eine bessere Anleitung aus einem , die auf der vorerwähnten Seite auch zitiert ist, fängt mit ähnlichen Schritten an und man muß zuletzt diesen besagten Knopf drücken - einmal und in aller Ruhe. Aber im richtigen Moment, den man an den Kontroll-Lampen erkennt.  Möglicherweise gelten verschiedene Anleitungen für verschiedene Baureihen des Druckers, und manche Beiträge für den LJ2500 werden fälschlich auch für den LJ2550 berichtet.
Das hat bei mir funktioniert:

1 Turn the printer off.
2 Press and hold the GO button (blue-green).
3 Turn the printer on and continue to hold the GO button
(about 30 seconds).
4 After the Go, Ready, and Attention Leds all turn on,
continue holding until the Attention and Ready leds
switch off (GO led still on).
5 Keep pressing the GO button AND now keep pressing
the red button (about 15 seconds) until the 3 leds
stop blinking.
6 Release GO and red buttons.
Reset is done.
7 You may have to re-install HP drivers from CD (what I did).


Dann fehlt meistens die Information, daß Zählerstände, die nicht durch ein Blinken der LED für die betreffende Farbe oder die Trommel als leer angezeigt
wurden, auch nicht im NVRAM gelöscht werden, und es scheint mir eine Schlüsselinformation, daß der Druck auf die Taste, die eine Testseite abruft,
zur Bestätigung des Reset nötig ist, als sei es eine Enter-Taste. Das ist aber auch nicht sicher; vielleicht reicht es, darauf zu achten, daß
die "Bereit" LED zu blinken aufgehört hat und ruhig leuchtet. Ferner werden auch Serien-Nummern gelöscht, sodaß Windows-User unter Umständen ihren Drucker neu installieren müssen.

Ein anderer Weg ist, den Zählerchip, der auf der Trommel- und Transfer-Einheit sowie auf jeder Farbkassette mit doppelseitigem Klebeband befestigt ist, abzulösen und gegen einen nachgemachten auszutauschen. Nun, nachgemachte Zählchips kosten 6-12 Euro im Internet und recyclete Trommeleinheiten, bei denen der Lieferant meiner Ansicht nach im schlimmsten Fall nur einen solchen Zählchip eingesetzt, aber nichts aufgearbeitet hat, sind ab 40 Euro zu bekommen. Um die 140 für eine neue einzusparen, haben in aller Welt die Leute tagelang auf den Tasten rumgehackt. Daher verstehe ich, daß es so viele differierende Anleitungen in den Internetforen gibt.
Manche geben auch den Tipp, den Zählchip einfach mit einer 1.5 Volt Batterie zu verbinden oder an eine 9V Blockbatterie zu halten und dadurch zu braten. Mit Vorsicht zu genießen.

Übrigens bedeutet das nicht, daß ich den Stein der Weisen gefunden habe und in Zukunft praktisch frei drucken kann. Es ist klar, daß sich der Tonerverbrauch danach bemisst, wie viel aus der Kassette herausgeht. (Es sei denn, es wird auch bei geringstem Verbrauch viel mehr herausgepumpt und in einem Abfallbehälter gesammelt ... die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte). Die Trommel aber wird verschlissen - und bei Farbdruck macht sie halt viermal so viel Umdrehungen wie bei Schwarzweißdruck. Auch wenn nur ein Pixel von einer einzigen Farbe draufkommt. Oder ein orangener Name oben drin steht und sonst keine Farbe.

Gezählt werden Trommelumdrehungen, wobei ein "transfer belt" mit abgenutzt wird. Gezählt werden z.B. auch die Umdrehungen, mit denen der Drucker mich nachts aufweckt, wenn ich vergessen habe, ihn auszuschalten, und er glaubt, mal wieder seine Vorräte nachzählen und seine Mechanik kalibrieren zu müssen. Durch das Drumherum an mechanischen Tätigkeiten verursacht laut HP (siehe obiger Link) übrigens eine einzeln gedruckte Seite so viel Verschleiß wie zwei kontinuierlich gedruckte Seiten. D.h. wenn ich aus Bequemlichkeit zweimal auf "Sofortdruck" in Open Office haue, drucke ich (trommelmäßig) doppelt so teuer, wie wenn ich über das Menü mein Original und die Kopie in einem drucken lasse.

Anmerkung: wegen all dieser Umstände und weil aufgrund der vorgenannten Eigenheiten des Druckers dieser, bei funktionierender Trommel und voller Schwarz-Kassette, nicht betriebsbereit ist, ich dadurch auch meine Arbeit in meinem Gewerbe insgesamt hätte tagelang unterbrechen müssen, bis neuer, teurer Farbtoner bestellt und geliefert wurde, habe ich meinen Hewlett Packard Color-Laserjet 2550L nach Verlust zweistelliger Arbeitsstunden für Reset-Versuche inzwischen außer Betrieb genommen. Für den Preis einer Gelb-Tonerkassette, die ich nur brauche, um den Drucker im Schwarzweißbetrieb wieder einsatzfähig zu machen, ist heutzutage schon ein Schwarzweiß-Laserdrucker oder ein Farb-Tintenstrahldrucker anderer Fabrikate erhältlich.
Obwohl ich diese Seite eher aus Begeisterung für meinen Laserdrucker gemacht habe, dessen Leistung ja untadelig ist (solange er funktioniert), muß ich sagen: es ist in unserem Kulturkreis nicht akzeptabel, heimlich ein Bauteil einzubauen, das das Gerät ausfallen lässt, wenn man nicht Material nachkauft, welches für den derzeitigen Druckvorgang gar nicht benötigt wird. Beispielsweise Farbpatronen, die noch nicht leer sind, aber deren Zähler überschritten ist. Auch mit dem Umweltgedanken ist dieser Lizenzgedanke, unabhängig vom tatsächlichen Tonerverbrauch, hierzulande nicht vereinbar.

Disclaimer: nichts von den Angaben auf dieser Seite ist vom Hersteller oder Handel autorisiert. Ich hafte auch für garnichts und bin im Gegenteil der Meinung, daß sich die erwähnten Manipulationen allenfalls für Bastler lohnen, in einem ordnungsgemäßen Geschäftsbetrieb, der auf tägliches Funktionieren des Druckers bei Höchstqualität angewiesen ist, dagegen Störungen im Arbeitsablauf verursachen können (etwa durch unterbliebene Nachbestellung von Material und dadurch sinkende Druckqualität oder Totalausfall des Druckers). Sowohl physische Eingriffe an Chips als u.a. auch die Verwendung leergewordener Tonerkassetten können meines Wissens auch Reparaturen am Drucker, seiner Elektronik oder seiner Trommeleinheit verursachen.



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